01.05.2020

Ermutigung für ein Miteinander

Christian Wulff richtet sich mit Videobotschaft an Chöre

Mit einer Videobotschaft ermutigt Christian Wulff, Präsident des Deutschen Chorverbandes, den Chören und Chorleiter*innen, kreativ und vertrauensvoll dem Chorgesang treu zu bleiben. Er macht ebenso darauf aufmerksam, dass die derzeitige Corona-Krise auch für den Chorgesang existentielle Auswirkungen habe.

An diesem Wochenende hätten mehr als 450 Chöre mit insgesamt rund 15.000 Sängerinnen und Sängern in Leipzig ein Fest der Chormusik gefeiert, bei dem die ganze Vielfalt des Chorwesens sichtbar und hörbar werden sollte. Aufgrund der Corona-Pandemie musste das Chorfest abgesagt werden. Seit Wochen sind Chorproben nicht möglich, an Konzerte ist nicht zu denken. Mit einer Videobotschaft macht Christian Wulff, Präsident des Deutschen Chorverbandes, den Chören und Chorleiter*innen Mut.

 

„Sie alle in den Chorvereinen und Chorverbänden setzen die Verordnungen und Empfehlungen der staatlichen Stellen verantwortungsvoll um. Sie haben schweren Herzens Veranstaltungen, Feste und Sitzungen abgesagt. Das, was am allermeisten schmerzt, ist sicherlich, dass Chorproben nicht stattfinden können –  das höre ich von allen. Proben, in denen nicht nur musikalisch gearbeitet wird, sondern in denen sich Menschen und Freunde treffen, in denen sie sich austauschen und Gemeinschaft spüren“, so Christian Wulff. „Natürlich begeistert auch mich, wie viele kreative Ideen in dieser  Situation  entwickelt  werden, zum Beispiel für digitale Chorproben oder virtuelle Chöre. Wir dürfen aber nicht übersehen, dass die meisten Chöre die digitalen Möglichkeiten nicht nutzen können oder nicht nutzen  wollen. Für sie ist die aktuelle Kontaktsperre umso gravierender. Die Krise ist existentiell, wenn es nicht bald zu Lockerungen mit festen Regelungen kommt.“

 

Der Deutsche Chorverband habe sich dafür eingesetzt, dass die von Bund und Ländern sehr schnell auf den Weg gebrachten umfangreichen Maßnahmenpakete mit Corona-Soforthilfen auch für gemeinnützige Vereine gelten sollen. „Leider müssen wir feststellen, dass die Programme vielfach nicht bei Kulturschaffenden funktio­nieren. Dies gilt insbesondere für Chorleiterinnen und Chorleiter aus dem Amateurchorbereich, da die persönlichen Lebenshaltungskosten, die bei freiberuflichen Kulturschaffenden i.d.R. auch un­ ternehmerische Kosten sind, nicht als  Betriebskosten  anerkannt  werden. Viele  Chorleiterinnen und Chorleiter sind also auch weiterhin in ihrer Existenz bedroht, wenn Chöre Zahlungen einstel­ len. Der Deutsche Chorverband engagiert sich mit den großen Dachverbänden auf der politischen Ebene für Veränderungen in Richtung eines Grundeinkommens während der Corona-Verbote. Ei­nige Bundesländer wie z.B. Berlin, Bayern und Baden-Württemberg haben hier flexiblere Regelun­ gen als der Bund“, erklärt der DCV-Präsident.

 

Er legt den Chorverbänden wie den Vorständen der Chorvereine ans Herz, vertrauensvoll miteinander nach Lösungen su­chen, wie ausgefallene Chorproben nachgeholt, der Aufwand von digitalen Proben entgolten und ein Verdienstausfall der Chorleitung kompensiert werden kann. Viele Chorvereine zeigen sich so­lidarisch und haben mit ihren Chorleiterinnen und Chorleitern bereits entsprechende Vereinba­rungen getroffen. Die öffentlichen Hände bleiben weiterhin auf allen Ebenen gefordert, kurzfristig und unbürokratisch Hilfe zu leisten. Gleichzeitig stehen wir alle in der solidarischen Pflicht,jede und jeder einzelne. Und ich bleibe bei meinem in der Chorzeit geäußerten Standpunkt: Wer mit einem Vereinsaustritt liebäugelt, sollte sich klarmachen,dass dies der denkbar ungünstigste Zeit­ punkt ist. Ein Austritt derzeit könnte einem Verein oder Verband unter Umständen denTodesstoß versetzen. Gerade jetzt müssen wir zusammenstehen. Diese Situation, in der keine Chorproben und kein gemeinsames Singen stattfinden können, zeigt gerade sehr eindrucksvoll, wie wichtig Chorgemeinschaften für den gesellschaftlichen Zusam­ menhalt sind. Sie wirken Isolation und Einsamkeit entgegen, bereichern das Leben und machen glücklich. Gerade weil wir den Wert des gemeinsamen Singens im Chorkennen, ist es jetzt beson­ders wichtig, dass wir uns solidarisch für die berufliche Existenz unserer Chorleiterinnen und Chor­leiter und die Liquidität der Vereine und Verbände einsetzen. Mittelfristig kann nur so die beste­hende kulturelle Infrastruktur gesichert werden, um langfristig Fehlentwicklungen und Radikali­sierung vorzubeugen. Dies sind Investitionen in den Fortbestand von liberaler Demokratie und ei­ner offenen Gesellschaft.“

 

Christian Wulff dankte allen Chören für ihre Initiativen, trotz Kontaktsperren virtuell und in verschiedenen Formen weiterzusingen und für den Chorgesang zu werben. 2022 soll zudem das Deutsche Chorfest in Leipzig die Gemeinschaft der Chorsänger*innen und Chorleiter*innen zusammenführen. Dazu laufen auch trotz Corona die Abstimmungen des Deutschen Chorverbandes mit der Stadt Leipzig und dem Freistaat Sachsen.

 

Den vollständigen Wortlaut können Sie im folgenden Dokument nachlesen.


Sächsischer Chorverband e.V.
Bahnhofstraße 1
09669 Frankenberg / Sa.

Sächsischer Chorverband e.V.