30.05.2021

Verfassungsmedaille für Horst Wehner

Aufrichtiger, couragierter, engagierter Streiter für die Belange von Menschen mit Behinderungen

Horst Wehner, langjähriger Präsident des Sächsischen Chorverbandes, wurde mit der Sächsischen Verfassungsmedaille ausgezeichnet. In seiner Laudatio hob Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler das jahrzehntelange herausragende Engagement Horst Wehners hervor, „um Menschen mit Behinderungen den Platz in der Gesellschaft zu geben, den sie verdienen, nämlich in unserer Mitte und nicht am Rand.“ 

 

Horst Wehner wurde mit der Verfassungsmedaille des Freistaates Sachsen ausgezeichnet.

Foto: Doc Winkler

Horst Wehner, langjähriger Präsident des Sächsischen Chorverbandes, wurde am Samstag während eines Festakts im Ständehaus des Sächsischen Landtags mit der Sächsischen Verfassungsmedaille ausgezeichnet. In seiner Laudatio hob Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler das jahrzehntelange herausragende Engagement Horst Wehners hervor, „um Menschen mit Behinderungen den Platz in der Gesellschaft zu geben, den sie verdienen, nämlich in unserer Mitte und nicht am Rand.“ Rößler zitierte hierbei einen seiner CDU-Fraktionskollegen, der den Linken-Abgeordneten und bis 2019 Vizepräsidenten des Sächsischen Landtages mit diesen Worten würdigte als das Parlament das »Gesetz zur Unterstützung der selbstbestimmten Teilhabe von Menschen mit Behinderungen im Freistaat Sachsen« verabschiedete. 

 

Damals hätten die Abgeordneten der CDU, der LINKEN, der SPD, den GRÜNEN und der Staatsregierung in einem für ihn bislang einmaligen Akt mit Horst Wehner einem Linken-Abgeordneten applaudiert. „Dass der öffentliche Dank eines CDU- Abgeordneten an einen Abgeordneten der LINKEN schon Seltenheitswert haben dürfte, dass diesem dann aber ein so fraktionsübergreifender Beifall des nahezu ganzen Parlamentes und der Staatsregierung folgte, erhebt aus meiner Erinnerung schon den Anspruch aufSingularität.“ So herausragend dieser parlamentarische Moment für ihn persönlich gewesen sei, so couragiert und engagiert habe Horst Wehner für dieses Gesetz gestritten und sich aufrichtig eingesetzt, blickte Landtagspräsident Rößler zurück.

 

Seit 1990 habe sich Horst Wehner in seinen zahlreichen haupt- und ehrenamtlichenTätigkeiten für Inklusion und Barrierefreiheit eingesetzt. Er war Gründungsmitglied des Sozialverbandes VdK Sachsen e. V. und gestaltete den Aufbau der Versorgungsstrukturen im wiedergegründeten Freistaat maßgeblich mit. Als Leiter der Rechtsabteilung und später als Geschäftsführer des VdK habe er unermüdlich für die Rechte von Menschen mit Behinderung und chronischen Erkrankungen gestritten, sich auch um die Entschädigung von Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen gekümmert und im Sinne der Betroffenen immer wieder auf Ungerechtigkeiten und falsche Entwicklungen hingewiesen. Seit Anfang 2011 ist er Vorsitzender des VdK-Landesverbandes.

 

Horst Wehner gründete ebenso den Landesverband Sachsen des Deutschen ParitätischenWohlfahrtsverbandes mit und arbeitete dort 16 Jahre im Vorstand, vier davon alsLandesvorsitzender. „Ob Landesblindengeld, Barrierefreiheit im öffentlichen Raum, die Einführung neuer Merkzeichen für Taubblindheit oder barrierefreier Zugang zu denWebsites und mobilen Anwendungen öffentlicher Stellen – es gibt wohl kaum einen Schritt hin zu einem inklusiveren Sachsen, den Horst Wehner nicht mit gestaltet und begleitet hat“, so Dr. Matthias Rößler. „Dass heute themenrelevante Debatten und Anträge im Sächsischen Landtag in Gebärdensprache gedolmetscht werden, so dass auch Menschen mit Beeinträchtigungen das Geschehen im Landtag mitverfolgen können, ist maßgeblich dem hartnäckigen Einfordern von Horst Wehner zu verdanken. Was ihn dabei in besonderer Weise auszeichnete war seine Art des Umgangs mit dem Gegenüber. Mit einer sehr eigenen Mischung aus freundlichem Respekt undUnnachgiebigkeit, mit der er steten Druck aufbaute, wurde er als Abgeordneter des Sächsischen Landtages geschätzt.“ Dem Landtag gehörte er von 2004 bis 2019 an.

 

„Mich persönlich hat die Art Deines Einforderns von tatsächlicher Inklusion, lieber Horst, so manches Mal an einen Spruch von Max Frisch erinnert: »Man sollte die Wahrheit dem anderen wie einen Mantel hinhalten, dass er hineinschlüpfen kann – und nicht wie ein nasses Tuch um den Kopf schlagen.« Ich gebe zu, wir haben uns hier oft lange geziert, aber hineingeschlüpft sind wir schlussendlich doch öfter“, zollte Landtagspräsident Matthias Rößler seinem ehemaligen Vize Respekt.

 

Nicht unerwähnt blieb in der Laudatio von Dr. Matthias Rößler das Engagement Horst Wehners als Präsident des Sächsischen Chorverbandes und die Auftritte des Chemnitzers auf nationalem und internationalem Parkett, auf dem er sich als als mehrfacher Deutscher Meister und Vizemeister im Rollstuhltanz zeigte. „Auch hier hat Horst Wehner gezeigt,dass man trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung Großartiges erreichen kann und damit vielen anderen Betroffenen immer wieder Lebensfreude, Mut und Zuversicht vermittelt.“

 

Mit der Sächsischen Verfassungsmedaille ehrt der Präsident des Sächsischen Landtags seit 1997 jährlich Bürgerinnen und Bürger, die sich besonders um die freiheitliche demokratische Entwicklung des Freistaates Sachsen verdient gemacht haben.

Die Sächsische Verfassungsmedaille wurde 1997 zur Erinnerung an die friedliche Revolution vom Oktober 1989 gestiftet. Anlass war der fünfte Jahrestag der Schlussabstimmung über die Sächsische Verfassung am 26. Mai 1992. Die Medaille ist aus Silber und zeigt auf der Vorderseite das Wappen des Landtags sowie die Schriftzüge „Sächsische Verfassung“, „Für besondere Verdienste“ sowie „26. Mai 1997“, der Tag, an dem die Verfassungsmedaille erstmals verliehen wurde. Auf der Rückseite erinnern fünf brennende Kerzen sowie der Ausspruch „Wir sind das Volk“ an die friedliche Revolution sowie den politischen Willen des Herbstes 1989.


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